NATIONALOPER #01 OUVERTÜRE

von NOVOFLOT 


Nationaloper. Ein Wort wie drei Ausrufezeichen! Doch was genau bezeichnet es? Ein Gebäude? Eine Komposition? Ein Kulturerbe? Nichts von alledem? Zu einer Zeit, in der sich europäisches Nationalempfinden auf zutiefst verschiedene Weise zeigt oder versteckt fragt NOVOFLOT nach der Beschaffenheit nationaler Kulturdenkmäler aus dem Bereich des musikalischen Theaters und deren Bedeutung für gesellschaftliches Empfinden und Verhalten. Erstmalig verbindet die Berliner Opernkompanie an einem Abend gleich drei Inszenierungen («Freischütz» / «Bánk bán – ACT» / «Der Schweizerpsalm») von drei frei produzierenden Ensembles (NOVOFLOT / Krétakör Foundation / kraut_produktion) aus drei europäischen Ländern zu einem Nationalopernzyklus. Während NOVOFLOT sich im Rahmen des Nationaloper #2-Abends im Radialsystem V dem »Freischütz« von Carl Maria von Weber zuwendet, schlägt sich der ungarische Regisseur Árpád Schilling von der Krétakör Foundation gemeinsam mit jungen ungarischen Aktivisten durch das nationalromantische Dickicht der bei uns gänzlich unbekannten Oper «Bánk bán» von Ferenc Erkel. Überschattet werden diese Ereignisse von einer Nationaloper der besonderen Art: die Zürcher Gruppe kraut_produktion verdichtet (mangels Existenz eines nationalen Musiktheaterwerks) die Wirren um die anstehende Neugestaltung der Schweizer Nationalhymne zur ersten eidgenössischen Nationaloper(ette). Die Inszenierungen werden Auskunft darüber geben, wie nationale Theaterensembles auf nationales Kulturgut blicken, und was es heißt, wenn diese sehr verschiedenen Sichtweisen unmittelbar aufeinandertreffen. NATIONALOPER wurde Ende September mit einer von NOVOFLOT inszenierten Ouvertüre eingeläutet. Beginnend mit diesem Auftakt (NATIONALOPER #1) machten sich ab Herbst 2015 drei frei produzierende europäische Gruppen bereit zur Nationalopernsichtung.