DURCH DIE NACHT MIT... 

EVA IONESCO UND BERTRAND BONELLO

Mutig, radikal und kompromisslos: Bei der Begegnung der französischen Regisseure Eva Ionesco und Bertrand Bonello treffen zwei kämpferische Filmemacher aufeinander - und steuern stilsiche Tabus an. Unmittelbar persönlich und autobiografisch ist Eva Ionesco (46) in ihrem Film "I am not a f++king Princess", der die europäischen Zuschauer begeistert. Im Alter von vier Jahren wurde Eva Ionesco als Aktmodell missbraucht. Ihre eigene Mutter fotografierte sie in erotischen Posen und verkaufte die Fotos als Kunst. In ihrem Film erzählt Ionesco nun ihre Geschichte, wie ihre Nacktheit ausgestellt, ihre Kindheit verkauft wurde. Gegen ihre Mutter, die noch heute von dem Erlös der Fotos lebt, zog die Regisseurin vor Gericht - und verlor. "Ich war schon 30. Man sagte mir, ich hätte früher aufwachen müssen." Der französische Filmregisseur Bertrand Bonello (43) gilt als eine der provokantesten Figuren der "Neuen Extremen Frankreichs". Bonello ist ein Exzentriker, der mit Vorliebe Abgründiges inszeniert: eine schmutzige Welt von Sex, Gewalt und extremen körperlichen Obsessionen. Auch in seinem neuen gefeierten Cannes-Wettbewerbsbeitrag "L' Apollonide" geht es um grenzüberschreitende Sexualität. Bonello erforscht das Leben in einem Edelbordell der Jahrhundertwende in Paris. Es ist ein Ort, der Fantasien wahr werden lässt - aber seine Stars, die Huren, in einem Spiel aus Ritualen, Abhängigkeiten und Hoffnungen zu Gefangenen macht. Im knallbunten Wohnatelier der Künstler Pierre et Gilles beschwören Eva Ionesco und Bertrand Bonello gemeinsame alte Tage herauf, es geht um Frankreichs Musikikone Marie-France, die schamlosen 70er Jahre in Paris und Cindy Shermans Verwandlungskünste. Auf einem Jahrmarktskarussell versetzen sie sich in eine vergessene Zeit und tauchen ein in Kindheitsträume. Immer wieder geht es um die Inszenierung von Realität, um die Frage, weshalb Alpträume von Kindern inspirierend sind und warum Bonello volle sechs Monate an seinem letzten Film geschnitten hat. Bis weit nach Mitternacht feiern die beiden Protagonisten ihre eigene Rebellion, voller Poesie und zu virtuoser Klavierbegleitung von Bertrand Bonello. Diese Folge von "Durch die Nacht mit ..." ist eine höchst cineastische Begegnung. Es geht um Machtbeziehungen zwischen Müttern und Töchtern, das Filmemachen und posierende Schauspieler, um emotionale Abhängigkeit, Schuld und erotische Obsessionen. Es geht um das heilsame Moment beim Filmemachen und um den Sex-Appeal radikaler Filme, die aus gesellschaftlichen Tabu-Themen eine ungeheure Kreativität ziehen. (Text: arte)




Länge
52' 
Jahr
2011
Genre
Dokumentation
Regie
Ilka Franzmann
Schnitt
Philip Kießling
Produktion
Avanti Media
Sender
Arte